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Colitis ulcerosa – Wie sieht die Therapie aus

Ziel der Colitis ulcerosa-Therapie ist es, die Symptome der Erkrankung zu lindern, so dass Betroffene über längere Zeit beschwerdefrei leben können. Eine Heilung der Colitis ulcerosa ist allerdings bisher nicht möglich.

Grafische Darstellung einer Arznei

Individuelle Therapie bei Colitis ulcerosa

Die Behandlung von Colitis ulcerosa ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hängt unter anderem von der Ausdehnung der Darmentzündung, deren Schweregrad, dem bisherigen Krankheitsverlauf und der Stärke der Beschwerden ab. Daher ist es für den Therapieerfolg sehr wichtig, dass der behandelnde Arzt nach einer genauen Diagnose in Abstimmung mit dem Erkrankten einen individuellen Colitis ulcerosa-Therapieplan erstellt.

Grundsätzlich soll mithilfe der Therapie die Entzündung des Darms und – sofern vorhanden – auch außerhalb des Verdauungstrakts reduziert werden. Auf diese Weise können die Beschwerden von Colitis ulcerosa gelindert oder sogar vollkommen beseitigt werden.

Colitis ulcerosa: Die wichtigsten Therapiemöglichkeiten

  • Medikamentöse Therapie
  • Operative Eingriffe
  • Psychologische Betreuung

Medikamentöse Therapie bei Colitis ulcerosa

Bei der Colitis ulcerosa-Therapie können verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen. Welche Ihr Arzt bei Ihnen verschreibt, hängt vor allem von der Ausbreitung und Schwere der Erkrankung ab. Außerdem kann bei der medikamentösen Therapie der Colitis ulcerosa zwischen der Behandlung während und außerhalb des akuten Schubs unterschieden werden. Verabreicht werden die Medikamente je nach Präparat als Tablette, Zäpfchen, Einlauf, Rektal-Schaum, Spritze oder Infusion.

Mögliche Medikamente bei der Behandlung des akuten Colitis ulcerosa-Schubs, die auch in Kombination eingesetzt werden können, sind:

 

  • 5-Aminosalizylsäure (5-ASA-Präparate)
  • Kortisonpräparate (Kortikoide)
  • Immunsuppressiva
  • Biologika
  • Biosimilars

5-Aminosalizylsäure – bei leichteren Verläufen

Medikamente mit 5-Aminosalizylsäure (5-ASA) – auch unter dem Namen Mesalazinpräparate bekannt – haben einen entzündungshemmenden Effekt und werden vor allem bei leichteren Verläufen und einer auf kleine Bereiche des Darms beschränkten Entzündung eingesetzt. Im Rahmen der Colitis ulcerosa-Therapie sollen sie die Autoimmunreaktion eindämmen.

Kortisonpräparate (Kortikoide) – wenn Aminosalizylsäure nicht reicht

Kortisonpräparate, sogenannte Kortikosteroide, werden bei einer Colitis ulcerosa-Therapie eingesetzt, wenn die Wirkung der Aminosalizylsäure nicht ausreichend ist. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Prednisolon. Kortisonpräparate unterdrücken die überschießende Reaktion des Immunsystems und hemmen auf diese Weise die Entzündung sehr stark.

Je nach Ausmaß der Colitis ulcerosa kann die Behandlung mit Kortisonpräparaten durchgeführt werden, die entweder nicht in das Blut aufgenommen werden und nur lokal wirken (Budesonid) oder die in das Blut aufgenommen werden und systemisch, das heißt auf den ganzen Körper, wirken. Nachteil der systemischen Wirkung von Kortisonpräparaten ist, dass sie vor allem bei einer längerfristigen Einnahme zu Nebenwirkungen führen können. Daher wird nach Möglichkeit, zum Beispiel bei einem ausschließlichen Befall des Enddarms, bevorzugt auf lokal wirkende Kortisonpräparate zurückgegriffen.

Immunsuppressiva – bei schweren Verläufen

Bei einer schweren Colitis ulcerosa, die nicht ausreichend mit Kortisonpräparaten behandelt werden kann, können im Rahmen der Therapie auch sogenannte Immunsuppressiva eingesetzt werden. Diese unterdrücken das Immunsystem sehr wirksam und können so den Entzündungsprozess im Körper reduzieren. Sie sind in der Lage, auch bei schweren Colitis ulcerosa-Verläufen die Beschwerden zu lindern.

Biologika – bei mittelschweren bis schweren Verläufen

Biologika (z. B. TNF-alpha-Blocker und Anti-Integrine) sind in lebenden Zellen durch biotechnologische Verfahren hergestellte Medikamente, die gezielt auf fehlgesteuerte Prozesse des körpereigenen Immunsystems einwirken und diese hemmen können. Auf diese Weise werden die bei Colitis ulcerosa im Körper vorliegenden Entzündungsprozesse reduziert. Diese Wirkstoffgruppe wird bei mittelschweren und schweren Verläufen eingesetzt und bildet nach dem Kortison und/oder den Immunsuppressiva die nächste Stufe der Therapie.

Biosimilars – ähnlich, aber nicht gleich

Biosimilars sind Nachahmerprodukte von Biologika, deren Patent ausgelaufen ist. Sie bilden das Pendant zu Generika, den Nachahmerprodukten nicht-biotechnologisch hergestellter Medikamente. Da Biologika in lebenden Zellen produziert werden, können diese nicht 1:1 kopiert werden. Biosimilars sind im Vergleich zu ihren Originalprodukten daher nicht identisch, aber ähnlich. Sie sind allerdings gleichwertig hinsichtlich der Wirksamkeit, Verträglichkeit und Qualität zu Original-Biologika und werden seit einigen Jahren in der Colitis ulcerosa-Therapie eingesetzt.

Operative Eingriffe bei Colitis ulcerosa

In bestimmten Situationen kann zur Therapie von Colitis ulcerosa auch ein operativer Eingriff, die sogenannte restaurative Proktokolektomie, notwendig werden. Bei dieser Operation wird der gesamte Dickdarm einschließlich des Enddarms entfernt und anschließend aus dem Dünndarm ein Reservoir, der sogenannte Pouch, geformt und der Dünndarm mit dem Analkanal verbunden. Es wird dabei nur zum Abheilen zwischenzeitlich ein künstlicher Darmausgang angelegt. Nach dessen Entfernung können die Betroffenen wieder wie gewohnt zum Stuhlgang auf die Toilette gehen.

Erforderlich wird eine Operation bei Colitis ulcerosa zum Beispiel bei einem besonders schweren Schub, der sich nicht mit Medikamenten behandeln lässt. Begleitend zur Operation werden oft Antibiotika als vorbeugende Therapie gegeben, um den Körper vor einer bakteriellen Infektion zu schützen. Im Falle einer erforderlichen Operation kann Sie Ihr behandelnder Arzt über in Frage kommende Kliniken informieren.

Psychologische Betreuung als unterstützende Maßnahme

Eine chronische Erkrankung wie Colitis ulcerosa bedeutet für die Betroffenen häufig neben den körperlichen Symptomen auch eine große psychische Belastung. Um damit umzugehen, hilft manchmal schon die Unterstützung durch Familienmitglieder oder Freunde. Sehr hilfreich kann auch der Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel im Rahmen einer Selbsthilfegruppe, sein. Spätestens wenn sich die psychischen Belastungen negativ auf die Lebensqualität auswirken, kann eine professionelle Hilfe durch einen Psychologen bzw. Psychotherapeuten sinnvoll sein. Diese erarbeiten gemeinsam mit dem Betroffenen Strategien, um mit der Krankheit besser umgehen zu können.

Sollten Sie unter psychischen Belastungen durch Colitis ulcerosa leiden, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt darauf an. Er kann Ihnen weitere Anlaufstellen nennen. Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe sowie die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen finden Sie unter anderem auch auf den Webseiten der Patientenorganisation DCCV e. V., der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung.